Rezession, Reaktion, Resilienz

Warum es noch nie wichtiger war, Ideen und Menschen zueinander zu bringen

30.04.2025 | Florian Städtler

Das Erfolgsmodell Mittelstand braucht eine Inventur. Mit dem Blick nach außen, denn die Rahmenbedingungen für die deutsche Wirtschaft haben sich in kürzester Zeit radikal verändert. Aber auch mit dem Blick nach innen: Denn während immer mehr der gefeierten Familienunternehmen von der dritten, vierten oder einer späteren Folgegeneration geführt werden, treten die Risiken und Nebenwirkungen dieses hybriden organisationalen Systems aus Unternehmertum und Abstammung deutlich zu Tage.

Die Stimmung in der Wirtschaft ist schlecht. Viele schimpfen über Politik und Verwaltung. Es herrscht Ratlosigkeit, wie wir der Vielfalt der Probleme Herr werden sollen. Drei Jahre Abwärtsbewegung, das gab es seit der Gründung der Bundesrepublik eben noch nicht.

Die „Party“, befeuert von billigem russischem Gas, von einem boomenden Welthandel und der von den USA ermöglichten „Friedensdividende“, sie ist vorbei. Und vieles, was wir für selbstverständlich gehalten haben, scheint in der Multikrise ins Wanken zu geraten. Die Unzufriedenheit, das Schlechtreden und das Jammern sind Wasser auf die Mühlen derer, die einfache Antworten auf komplexe Fragen geben. Die Autoritären nutzen die Instrumente der Demokratie, um an deren Grundfesten zu rütteln.

Es gibt also Rede- und Handlungsbedarf. Wie vor fünf Jahren, als Corona wie aus dem Nichts die Wirtschaft und das Land lahmlegte. Spätestens seit Pandemie und Lockdown mussten sich alle Unternehmen der Frage stellen: Wie ist es um unsere Resilienz bestellt?

Der Freiburger Mittelstandskongress ist die Plattform für Ideen und Menschen, die die mittelständische Wirtschaft lenken und antreiben. Für das anbrechende dritte Jahrzehnt und pünktlich zum diesjährigen 20. Jubiläum, wollen wir diese etablierte Plattform auf allen Ebenen weiterentwickeln.

Und wir beginnen mit der gemeinsamen Inventur, dem ehrlichen Blick auf den Status Quo und verschiedene Perspektiven auf mögliche Zukünfte. Denn Resilienz ist nur ein Aspekt, dem sich Unternehmenslenkerinnen und -lenker, Geschäftsführer und Abteilungsleiter angesichts des außergewöhnlichen Stresstests stellen müssen.

Unter dem Motto „Reality Check – wo der Mittelstand der Wahrheit ins Auge schaut“ benennen wir gemeinsam das, was nicht funktioniert und suchen nach Auswegen aus vermeintlichen Sackgassen. Wir zeigen aber natürlich auch das, was trotz allem klappt. Wo Macherinnen und Macher Lösungen finden und wo Unternehmer auch unter schwierigen Rahmenbedingungen ins Risiko gehen und etwas unternehmen.

Aus den vielen Gesprächen der letzten Monate wurde eines klar: Der Wunsch nach Wissen und Vernetzung ist sowohl bei KMU bis 250 Mitarbeitenden als auch bei großen mittelständisch geprägten Unternehmen vorhanden. Es gibt ein immer wieder geäußertes Bedürfnis am qualifizierten Austausch in einer praxisnahen regionalen Community.

Dieser Austausch zu allen strategischen und operativen Themen, über Branchen hinweg, passiert nicht zufällig. Der Kongresstag, die Kommunikation vor und nach dem Kongress, aber auch zukünftige zusätzliche Begegnungs- und Lernformate im Laufe des Jahres brauchen Kuration: Das bewusste Gestalten von Inhalten, Formaten, Teilhabe und der Sichtbarmachung des Ökosystems Mittelstand.

Was wir uns in diesem Zusammenhang unter „Intelligent Matching“, „interaktiven Formaten“, „Teilnehmer-Evaluation“, den „vier Lerndimensionen“ oder der „Landkarte der Wertschöpfung vorstellen“, davon wird es ab sofort regelmäßig auf diesem Blog zu lesen geben.

Vor fünf Jahren brachen kurz nach dem ersten Corona-Lockdown innerhalb von wenigen Wochen 80% des Umsatzes meines Unternehmens weg. Damals hatte ich das große Glück über ein bundesweites Netzwerk mit vier weiteren Unternehmern aus Frankfurt, Berlin, München und Bonn in Kontakt zu kommen. Der mit wöchentliche digitale „Stammtisch“-Austausch war hilfreich und sorgte für neue Zuversicht.

Gelegenheit zu solchen zuversichtlichen Gesprächen soll der Mittelstandskongress bieten – zukünftig auch über den Kongresstag hinaus.

Wir freuen uns auf viele Unternehmer, Führungskräfte und Treiber des Mittelstands, die sich an diesen Gesprächen beteiligen.