Bye bye, Chief Illusion Officer!

Wenn man bei der Keynote denkt: Was stimmt da nicht mit mir?

01.10.2025 | Florian Städtler

Letzens war es wieder mal soweit. Ich saß im Plenum einer Tech-Konferenz und vorn war einer, der trug den Titel Chief Innovation Officer. OK, wenn man genauer hingehört hatte, dann war er „Former Chief Innovation Officer“. Aber er war das nachgewiesenermaßen bei einem der Giganten des Silicon Valley.

Und obwohl dieser Chef-Innovator wohl über Jahre für überraschende Ideen im Sinne der Plattform-Weltherrschaft bezahlt wurde, passierte das, was mich zuletzt bereits mehrfach zum spontanen Verlassen von Vortragsveranstaltungen veranlasst hatte:

Über das dem globalen Tech-Evangelisten ehrfürchtig lauschende regionale Publikum ergoss sich eine Flut von Klischees, Buzzwords und Phrasen. Von einem Menschen, der im Epizentrum der Innovation gelebt und gearbeitet hatte, kam nicht mehr als eine Ansammlung trivialer bis übergriffiger Appelle:

„Sei mutig!“

„Hab mehr Vertrauen!“

„Einfach mal machen!“

„Bring dich als ganzer Mensch und mit deiner ganzen Persönlichkeit für den Erfolg deines Unternehmens ein!“

Nach diesen Selbstoptimierungs-Plattitüden steigerte der Erneuerungs-Guru die Dosis: Jetzt wurde es interaktiv.

Wir wurden aufgefordert, uns der neben uns sitzenden Person zuzuwenden und dem Befehl des Meisters zu folgen: „Seid zwei Minuten radikal ehrlich zueinander!“ Weitere Spielchen inklusive leicht unangenehmer Gruppen-Choreo folgten und sollten zeigen, was alles möglich ist, wenn man nur hundertprozentig davon überzeugt ist und jegliche Peinlichkeit und Fremdscham ignoriert. Am Ende fand ich mich in einer lachenden und herumalbernden Gruppe von Geschäftsleuten wieder, von denen keiner auch nur einen Hauch einer Ahnung hatte, was der Silicon-Magier eigentlich sagen wollte.

Ich schaute mich noch mal verwundert um, und ja: das Worthülsen-Ringelpiez, diese inhaltsleere, teilweise grenzdebile Zwangsinteraktion ließ das Publikum begeistert oder zumindest angenehm-abgelenkt zurück.

Und dann wurde mir klar: Die Kombination aus Valley-Aura, aus gekonnter Rhetorik und leicht verdaubaren How to-Botschaften sind ein todsicheres Rezept. Zum einen um fette Keynote Speaker-Gagen einzustreichen. Zum anderen, um im Stile von hochverarbeiteten Convenience Food schnell alle Appetit-Hormone zu aktivieren.

Noch viel klarer ist mir mit etwas Abstand aber, dass mein und unser Weg ein anderer ist. Statt Promi- und Namedropping-Glamour setzen wir bei unseren Programmen auf Substanz. Und diese misst sich an der Fähigkeit von Vortragenden und Gesprächspartnern, relevantes Wissen zum Umgang mit echten unternehmerischen Aufgaben und Problemen auf verständliche und gerne auch unterhaltsame Weise zu vermitteln.

Wenn diese Meisterinnen und Meister ihres Fachs dazu noch einen Namen haben und eine entsprechende Reichweite mitbringen, dann freuen wir uns. Vor allem aber zählt der fachliche und inspiratorische Nutzwert, den Impulsgeberinnen und Impulsgeber für Entscheider aus dem Mittelstand zu bieten haben.

Gefragt sind keine Selbstdarstellerinnen oder Self-Promoter, sondern energische Macherinnen oder stille Schaffer, die die Wirtschaft mit ihren Höchstleistungen am Laufen halten. Oder kluge Beobachtende aus der Wissenschaft und den Medien, die neue, gerne auch mal unbequeme Perspektiven auf das Ökosystem Mittelstand vertreten.

Wir sind gespannt, ob unsere Wette aufgeht: Dass Substanz, praktischer Nutzen und inspirierende „Good Practice“ die Teilnehmer des 20. Kongresses 2025 und vieler weiterer Ausgaben begeistern werden.